Weniger ist mehr

Mein Schrank nachher

Im Januar 2019 habe ich das Buch Magic Cleaning von Marie Kondo gelesen. Eigentlich geht es in dem Buch darum, wie man dauerhaft Ordnung in seine vier Wände bringt. Da der Weg zur perfekten Ordnung allerdings über das Ausmisten und Sich Trennen von Dingen führt, ist es für mich eher ein Buch über Minimalismus. Ein Thema, das mich sehr angesprochen und gefesselt hat.
Nicht, dass bei uns zu Hause alles vollgestellt wäre oder viel Nippes herumstehen würde. Im Gegenteil – manch einer würde bestimmt sagen, bei uns sieht es nüchtern aus. Aber trotzdem gab es noch genügend Kisten und Schränke voll mit Dingen, die ich nicht mehr benutzt habe.

Also habe ich das Buch gelesen und – auch wenn es an manchen Stellen etwas langatmig war – konnte ich zwei ganz wichtige Erkenntnisse für mich gewinnen:

  1. Wie ich mich von Dingen trennen kann, zu denen ich eine emotionale Beziehung habe, die ich aber nicht mehr brauche. Hierzu zählen z.B. Dinge aus meiner Kindheit oder Fotos (in Papierform).
  2. Welche Frage ich mir grundsätzlich stellen muss, um zu entscheiden, ob ein Teil bleibt oder aussortiert wird. Und diese Frage lautet ganz einfach: „Macht mich dieses Teil glücklich – ja oder nein?“ 

Darüber hinaus habe ich angefangen, zu viele Dinge als bedrückend und belastend zu empfinden. Je mehr ich habe, desto mehr muss ich mich kümmern. Egal, ob das Auto repariert oder gewaschen, herumstehende Dinge abgestaubt oder Kleidung zum Schneider gebracht werden muss. Ganz zu schweigen davon, dass Besitz oft auch zu weiteren Kosten führt. Und das Gefühl, einen Schrank zu öffnen und darin nur Weniges und Übersichtliches zu finden, ist absolut befreiend und beruhigend!

Nach dem Lesen des Buches habe ich mich daran gemacht, meine noch verbliebenen Dinge zu überprüfen und gegebenenfalls auszusortieren. Da flogen dann nun auch endlich die Klamotten aus dem Schrank, von denen ich mich bis dato noch nicht trennen konnte, weil sie sehr teuer oder mit ganz bestimmten Erinnerungen verbunden waren, aber dennoch seit Jahren nicht mehr getragen wurden. Ich war radikal ehrlich zu mir selbst und fragte mich immer wieder „macht mich dieses Teil wirklich glücklich?“. Und oft war die Antwort „nein“.

Zudem konnte ich mich liebevoll von Dingen aus meiner Kindheit verabschieden, wie z.B. Zeichnungen aus dem Kunstunterricht in der Schule. Ich bin jede einzelne durchgegangen und wurde ziemlich sentimental. Aber ich hatte sie seit Jahren nicht mehr in den Händen gehabt und sie fristeten ein trauriges Dasein im Keller. Außerdem habe ich keine Kinder, denen ich meine kunstvollen Ergüsse irgendwann einmal hätte zeigen können. Daher habe ich mich von jeder Zeichnung liebevoll verabschiedet und sie zum Papierabfall getragen – und es ging mir gut dabei.

Eine besondere Sache stellen für mich Fotos dar. Diese Erinnerungen sind in der Regel unwiederbringlich und deshalb habe ich mich hier für den Weg der elektronischen Archivierung entschieden. So habe ich keine alten Papierfotos mehr in irgendwelchen Alben oder Kisten, sondern sie sind „platzsparend“ für immer auf dem Computer/in der Cloud einsehbar. 

Fazit: Nach meinem Ausmisten fühlte ich mich sehr gut und wirklich befreit. Und dieses „weniger“ führte automatisch zu einem „mehr“. Mehr an Freiheit, mehr an Leichtigkeit, mehr an Übersicht und auch mehr an Glück. Zum Nachahmen empfohlen 🙂

Gastbeitrag von Tanja

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